Siedlungsarchäologie

Die meisten Siedlungen umfassten nur wenige Gehöfte mit 5 bis 20 Häusern. Hier lebten selten mehr als 100 Einwohner. Land- und Viehwirtschaft bildeten die Lebensgrundlage dieser bäuerlichen Gemeinschaften. Haus- und Siedlungsformen variierten je nach Funktion und Nutzung.
Die Feddersen Wierde ist die am besten erhaltene germanische Siedlung der römischen Kaiserzeit in Niedersachsen. Sie entstand um die Zeitenwende auf einem Strandwall entlang der Nordseeküste. Die Flachsiedlung des 1. Jahrhunderts v. Chr. bestand aus reihenförmig angeordneten Häusern, die mehrheitlich zum Typ der dreischiffigen Wohn-Stall-Häuser gehörten, die im Küstenbereich der Nordsee, aber auch in anderen Regionen Germaniens verbreitet waren. Das Dach trugen zwei Pfostenreihen im Inneren des Hauses. Die Außenwände bestanden aus Flechtwerk mit Lehmbewurf. Bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. wurden die Standorte einzelner Gehöfte erhöht, um sie gegen Hochwasser zu schützen. Die Langhäuser, deren Größe sich nach dem Viehbestand richtete, waren nun strahlenförmig um einen freien Platz angeordnet. Wegen der günstigen Erhaltungsbedingungen im Feuchtbodenmilieu konnten sich die Holzpfosten der Häuser großenteils erhalten, so dass Hausgrundrisse und Konstruktionen auf dem Boden deutlich hervortraten. Die einzelnen als Wurten bezeichneten Haushügel wuchsen im Lauf des 3. Jahrhunderts n. Chr. zu einer großen Dorfwurt zusammen und bestanden in dieser Form bis in 5. Jahrhundert n. Chr.
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links:
Rekonstruktionszeichnung eines dreischiffigen Langhauses aus der kaiserzeitlichen Siedlung von Berlin-Buch.

rechts:
Rekonstruktionszeichnung eines Langhauses aus der kaiserzeitlichen Siedlung von Berlin-Buch.