Prolog

Germanen

Sie sind seit jeher ein polarisierender Begriff. Es existieren viele Mythen und Klischees über die Bevölkerung zwischen Rhein und Weichsel vom 1. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. Aber was ist davon belegbar und was kann in die Welt der Vorurteile und Erfindungen verbannt werden?

Die schriftlichen historischen Quellen zu den germanischen Stämmen sind dürftig. Meist existieren nur kurze Bemerkungen, wenn es zu Begegnungen mit der antiken mediterranen Welt kam.
Die Germania des Tacitus gilt hingegen als einzige umfassende historische Quelle. Aber mit welcher Motivation hat Tacitus sein Werk über die nördlichen Nachbarn verfasst? Einige seiner Aussagen konnten durch die Archäologie belegt werden, etliche andere hingegen wurden widerlegt.

 

Dieses gebogene Zierblech aus Bronze, Silber und zum Teil vergoldet, wurde im Thorsberger Moor gefunden. Der zentrale Tierfries wurde im germanischen Tierstil gestaltet. Wahrscheinlich wurde dieses Zierblech den Göttern zum Dank für den Sieg geopfert.
© Museum für Archäologie Schloss Gottorf, Landesmuseum Schleswig-Holstein

Wer waren sie?

Allen voran steht natürlich die Frage
im Raum, ob es denn DIE Germanen
als großes Volk überhaupt gab.
Kurz gesagt: Nein.
Viele verschiedene Gruppen siedelten
im nördlichen Mitteleuropa, die von
Iulius Caesar als „Germanen“ zusammengefasst wurden, um sie von
den keltischen Stämmen zu unter-
scheiden. Dass sich diese zahlreichen Gruppen als ein zusammengehöriges
Volk betrachtet haben, lässt sich
nirgendwo ablesen. Vielmehr haben
sie sich auch untereinander bekämpft,
wie Opfergaben aus dem Thorsberger
Moor in Schleswig Holstein belegen.

Mooropfer

Ein neuer Blick auf alte Klischees 

Was die Germanen hinterlassen haben, sind die materiellen Spuren im Boden. Und ein Mythos, der sich vor allem im 19. Jahrhundert entwickelte, als man auf der Suche nach einer gemeinsamen Identität war. Dieser gipfelte schließlich in der rassischen Ideologie des Dritten Reiches. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es ein Umdenken und die Forschung zu den germanischen Gesellschaften wurde fortan sachlich nüchtern betrieben. Auch wenn sich die Mythen von einst bis heute in Teilen der Bevölkerung gehalten haben und neuerdings zunehmend eine Dynamik erleben, die jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.

Die Expertinnen und Experten zu Wort kommen lassen

Daher ist es nun an der Zeit, die archäologischen Indizien in einer umfassenden Bestandsaufnahme zusammenzutragen und diejenigen sprechen zu lassen, die sich am besten damit auskennen: die Archäologinnen und Archäologen.

In der Sonderausstellung „Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme“ werden alle Aspekte der Lebenswelt der germanischen Gesellschaften anhand der archäologischen Funde beleuchtet.

 

Viele Fragen und neue Erkenntnisse

Wie lebten sie? Womit betrieben sie Handel? Wie sah die Glaubenswelt aus? Wie war die Gesellschaft organisiert? Wie waren die Beziehungen zum mächtigen Rom?

All diese Themenbereiche werden nach dem neusten Stand der archäologischen Forschung mit Funden aus Deutschland, Dänemark, Rumänien und Polen anschaulich dargestellt und somit ein aktueller Status Quo zu den Erkenntnissen über die germanischen Gesellschaften präsentiert.

Was sagen die Experten?

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